Veröffentlicht in Tagebuch

DIE FLEDERMAUS als Musiktheaterwerkstatt

Andre Sokolowski im Freitag über die „Fledermaus“-Inszenierung von José Cortés an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin, bei der ich Regieassistentin war | Vollständigen Artikel lesen auf freitag.de

HfM Hanns Eisler Berlin Regie-Absolventen versuchten sich an Kriegs- und Sexspielen (frei nach der Operette Johann Strauß‘)

[…] In einem kurzen Eingangs-Stateman tat sich so auch der Projektleiter Regie an der Hochschule für Musik Hanns Eisler (Professor Unzen) fast dafür entschuldigen, dass gleich zwei AbsolventInnen-Varianten, je für Ersten/Zweiten Akt und seperat für sich, erfolgen würden, die nicht unbedingt mit herkömmlichen Fledermäuse-Sichten (Salzburg beispielsweise) kongruent wären. Nun ja, das wollten wir auch tunlichst nicht erwarten! Also schauten wir höchstselbst, was dem Regienachwuchs zur Fledermaus so alles einfiele:

In der Regie von Jose Cortes, die den Ersten Akt kurz vor dem Kriegsende in einer (noch) von Bombentreffern verschont gebliebenen Wiener Kleinkunstbühne (Ausstattung: Oliver Burkat/Linda Rodenheber) ansiedelt, müssen die Kleindarsteller eine sich hierher verschanzt habende Waffen-SS-Horde inkl. ihrer HelfershelferInnen spielen. Frauen tippen allerletzte Durchhaltebefehle in die Schreibmaschinen und verteilen selbstgekochten Kriegsfraß. Männer sind besoffen und begießen ihre Endsiegfantasien mit gestohlenem Gesöff. Einer der ihren tut sich als nazistischer Sadistenführer aufschwingen, indem er mit der Knarre eine Gruppe SängerInnen-Geiseln (jene könnten teils jüdischer Abstammung sein, sollte man der szenischen Anspielung mit dem Schweinskopf „trauen“ wollen) drangsaliert, sie müssten jetzt gefälligst irgend etwas singen, was die Bunker-Stimmung aufhellte. Gesagt, getan – die Geiseln haben keine Wahl. / Erla Guðmundsdóttir (als Rosalinde), Collin Schöning (als Eisenstein) und Maya Blaustein (als Adele) singen gut. Gefühlter Hype zum Schluss, und kurz bevor ein allerletzter Bombentreffer jenen Ort der Handlung sozusagen „auflöst“, ist ein von den Nazis zusätzlich erzwung’ner Geigergeisel-Auftritt; doch der HfM-Besetzungszettel weist den hochvorzüglichen Violinisten nicht/leider nicht aus.

[…] Alles in Allem: Könnte man (von den Ideen her) so machen, muss man aber nicht.

Merke: Nicht nur wer auffällt, weil er/sie womöglich auffall’n will, wird künstlerisch bestehen. Oftmals reicht schon EINE wirklich umsetzbare und v.a. nachvollziehbare Idee, um „alten“ Werken neuen Atem einzuhauchen; und vielleicht liegt es auch bloß dann an der Auswahl eines passende(re)n Stückes.


DIE FLEDERMAUS (Studiosaal der HfM Hanns Eisler, 18.05.2019)
Dirigent: Massimilliano Lezzi

1. Akt
Regie: Jose Cortes
Bühne: Oliver Burkat
Kostüme: Linda Rodenheber
Licht: Martin Siemann
Regieassistentin: Kundry Rymon
Mit: Álfheiður Erla Guðmundsdóttir (Rosalinde), Collin Schöning (Eisenstein), Maya Blaustein (Adele), Collin Schöning (Alfred), Michael Lafferty (Falke) und Rory Green (Dr. Frank)

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